Linguistik

Vorstellung der Abteilung

Die anglistische Linguistik, entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts, untersucht die englische Sprache in ihrer inneren Systematik, als Kommunikationsmittel und als menschlich-soziales Phänomen. Aus diesen verschiedenen Blickwinkeln hat sich eine Vielzahl von Teildisziplinen gebildet.

Zu den traditionellen Gebieten der synchronen Linguistik zählen Phonetik und Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik und Textlinguistik. Sie analysieren systematische Bausteine auf jeweils unterschiedlichen Sprachebenen: Laute, Wörter samt ihrer inneren Struktur, Phrasen und Sätze, Zeichen und deren Bedeutung, sowie Diskursstrukturen. Hinzu kommt die Pragmatik mit ihrem Fokus auf Bedeutungen und Intentionen, die sprachlichem Handeln in konkreten kommunikativen Kontexten zugrunde liegen. Die historische Linguistik schließlich untersucht, wie sich der Gebrauch und das System der englischen Sprache seit ihrem Beginn vor mehr als 1500 Jahren gewandelt haben.

In den letzten Jahrzehnten wurde die anglistische Linguistik zudem um eine Vielzahl von Ansätzen bereichert, nicht zuletzt dank eines wachsenden Interesses am Verhältnis von Sprache und Gesellschaft. Die Soziolinguistik befasst sich u.a. mit nationalen, regionalen, sozialen und stilistischen Varietäten des Englischen, mit Sprachpolitik und mit der Rolle des Englischen als Weltsprache in Kontakt mit anderen Sprachen. Darüber hinaus hat sich in Zeiten zunehmender Mehrsprachigkeit Multilingualismus als neueres Forschungsfeld etabliert, insbesondere innerhalb der Psycholinguistik, in der Spracherwerb und -verarbeitung im Mittelpunkt stehen. Wie alle Wissenschaftler sind Linguisten um systematische, objektive Analysen und Befunde bemüht. Sie testen Hypothesen, konstruieren Modelle, bringen Theorien voran und schlagen Brücken zu benachbarten Disziplinen. So ist beispielsweise die kognitive Linguistik Erklärungen von Sprachwissen und -gebrauch verpflichtet, die im besonderen Einklang mit Erkenntnissen der Kognitionswissenschaften stehen. Die heutige linguistische Forschung basiert weitestgehend auf empirischen Daten, die anhand von Experimenten oder elektronischen Textkorpora erhoben werden. Korpora, d.h. strukturierte Sammlungen authentischer gesprochener oder geschriebener Sprache, stehen nicht nur für gegenwärtige, sondern auch für historische Formen des Englischen digitalisiert zur Verfügung. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten für die Untersuchung jener inner- und außersprachlichen Gegebenheiten und Prozesse, die die englische Sprache über die Jahrhunderte geformt haben.

Diese Vielfalt an linguistischen Themen und Ansätzen spiegelt sich in der Lehre der Leipziger Anglistik wider. Zu den aktuellen linguistischen Forschungsschwerpunkten des Instituts gehören kognitiv-linguistisch orientierte gebrauchsbasierte Ansätze zu Sprachwissen, -erwerb, -verarbeitung, -variation und -wandel, die Verwendung des Englischen als Lingua franca (z.B. in Migrationskontexten), die Einflüsse des Englischen auf andere Sprachen in den Bereichen Lexik, Morphologie, Syntax, Phraseologie und Pragmatik, sowie grammatische Universalien.